Haarausfall wegen Testosteron – Passiert auch Frauen!

In meinem letzten Blogpost bin ich näher darauf eingegangen, warum einige Frauen (auch ich!) nach dem Absetzen der Pille an Haarausfall leiden. Wenn Euch also die Haare ausgehen und Ihr vor Kurzem „Goodbye Pille“ gesagt habt, empfehle ich Euch diesen Artikel zu lesen. Wenn Eure Östrogenwerte aber im Lot sind oder Ihr glaubt, dass etwas anderes an Eurem Haarausfall schuld hat, dann seid Ihr hier goldrichtig. Heute stelle ich Euch einen weiteren Haarausfall-Übeltäter vor: Testosteron bzw. DHT. Here we go!

Leidet jemand an Haarausfall, wird gerne Testosteron als Übeltäter genannt. Schon Hippokrates – ein griechischer Arzt aus dem 4. Jahrhundert v. C. – beobachtete, dass Eunuchen niemals eine Glatze haben (für alle Nerds am Rande: „Game of Thrones“ liegt medizinisch gesehen also nicht ganz richtig, wenn es Lord Varys mit Glatze darstellt). Hippokrates vermutete, dass die Kastration der Eunuchen schuld daran sei. Denn dabei werde ihnen der Hoden entfernt, in welchem der männliche Körper Androgene wie Testosteron bildet.

 

Haarausfall: Wenn sich Testosteron in DHT verwandelt

Tatsächlich muss man hier die Anklage spezifizieren. Nicht allein Testosteron kann Haarausfall auslösen, sondern vor allem Dihydrotestosteron (DHT) – eine Umwandlung des Hormons Testosteron in seine biologisch aktivste Form. Verantwortlich dafür ist das Enzym 5-Alpha-Reduktase. Es löst eine chemische Reaktion aus, wodurch sich Testosteron in DHT wandelt.

Eigentlich keine schlechte Sache, denn DHT hat durchaus seinen Sinn und Zweck: Es ist sowohl für die Entwicklung des männlichen Embryos als auch in der Pubertät für die Wandlung vom Jungen zum Mann wichtig. Es sorgt für Bartwuchs und allgemeine männliche Körperbehaarung. Zudem ist DHT an der Funktion der Talgdrüsen und der Entwicklung der Prostata beteiligt. Zu einem geringen Anteil kommt DHT auch bei Frauen vor.

Dockt DHT an unsere Haarfolikel an, werden unsere Haare massiv geschwächt. Foto: Niklas Hamann
Dockt DHT an unsere Haarfolikel an, werden unsere Haare massiv geschwächt. Foto: Niklas Hamann

Haarausfall: DHT belagert die Haarfolikel

Zurück zum Haarausfall. Was passiert da nun genau in unserem Körper?

Das Hormon Androstenedion wird in unseren Drüsen und Eierstöcken gebildet. Es wird von speziellen Enzymen zu Testosteron umgewandelt und zirkuliert dann durch unseren Körper, bis es Andockstellen findet. Normalerweise hilft Testosteron unserem Körper beim Aufbau von Muskeln und Fett. Andockstellen finden sich in zahlreichen Organen, in denen Testosteron die Funktionsweise unterstützt. Doch es gibt auch Rezeptoren in unserer Haut und unseren Haarwurzeln.

Schwirrt das Hormon in einem unnatürlichen Übermaß durch unseren Körper, kann es an den Rezeptoren in den Haaren andocken. Dadurch schwächt es das betroffene Haarfolikel und behindert den Haarwachstum. Dieser Prozess ist noch schwerwiegender, wenn nicht Testosteron, sondern DHT an die Rezeptoren andockt:

DHT schwächt die Haarfolikel also deutlich mehr als Testosteron. Nachwachsende Haare werden immer dünner, bis unser Kopfhaar schließlich in sogenanntes Vellushaar umgewandelt wird. Damit bezeichnet man die feinen, weichen, hellen Härchen, die Kinder – und manche Erwachsene, vor allem Frauen – an Armen und Beinen haben. Stoppt man den Andock-Prozess nicht, verkümmert irgendwann die Haarwurzel und kein Haar kommt mehr nach.

Auch Frauen von DHT-Überschuss betroffen

Obwohl vor allem Männer von Haarausfall durch DHT betroffen sind, kann es auch Frauen erwischen. Prinzipiell sind wir durch das weibliche Sexualhormon Östrogen auf natürliche Weise vor dem DHT-Effekt geschützt.

Sinkt unser Östrogenspiegel jedoch durch eine Veränderung im Hormonhaushalt – zum Beispiel nach dem Absetzen der Pille, während der Schwangerschaft oder der Stillzeit oder in den Wechseljahren -, kann auch hier zu viel DHT auftreten. (Achtung beim Hormoncheck: Erhöhte DHT-Level können selbst dann auftreten, wenn Euer Testosteron-Spiegel auf den ersten Blick normal aussieht.)

 

Haarausfall wegen DHT – Das könnt Ihr tun

Haarausfall wegen DHT? Packt Brokkoli auf Euren Speiseplan. Foto: Pexels
Haarausfall wegen DHT? Packt Brokkoli auf Euren Speiseplan. Foto: Pexels

Das Problem bei einem Haarausfall durch DHT bei Frauen ist, dass die angebotenen Arzneien der Pharmaindustrie meist Männern viel besser helfen können als Frauen.

Aber selbst wenn sie effektiver wären, sind da immer noch die enormen Nebenwirkungen: Viele Arzneien haben Nebenwirkungen, die unsere Sexualität beeinflussen können, Depressionen, Übelkeit, Hitzewallungen und erhöhte Östrogen-Werte. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz, denn auch Östrogen kann wiederum Haarausfall auslösen. 

 

Pflanzliche DHT-Blocker helfen gegen Haarausfall

  • Sulforaphan (Senfölglykoside): Senfölglykoside sind in Brokkoli, allen Kohlgemüsen, Blumenkohl, Kohlrabi, Meerrettich, Rucola, Kresse, Radieschen, Rettich, Senf und anderen Gemüsen aus der Kreuzblütlerfamilie enthalten. Sie bringen Euren Hormonspiegel wieder ins Gleichgewicht. Mehr dazu auch hier.
  • Theaflavine: Diese gehören zur Gruppe der Polyphenole und entstehen bei der Fermentation von grünem zu schwarzem Tee. Sie sind also in schwarzem Tee enthalten.
  • Bockshornkleesamen: Die Wirkstoffe Trigonellin und Diosgenin in den Samen des Bockshornklees sollen DHT hemmen. Bockshornkleesamen werden vor allem als Gewürz verwendet.
  • Leinsamen: Im Rand des Leinsamens befinden sich so genannte Lignane – sekundäre Pflanzenstoffe, die zur Gruppe der Phytoöstrogene gehören und DHT hemmen sollen.

Ein Gedanke zu &8222;Haarausfall wegen Testosteron – Passiert auch Frauen!&8220;

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