Menstruationsfrei: Frauen mit Regelschmerzen sollten nicht arbeiten müssen

Mehr als die Hälfte aller Frauen leidet regelmäßig unter solchen Periodenschmerzen, dass ihre Leistung davon beeinflusst wird. Dennoch bleiben sie nicht zu Hause, sondern quälen sich in die Arbeit, pumpen sich mit Schmerzmitteln voll – und schweigen. Weil es in unserer – noch immer – männlich dominierten Arbeitswelt keinen Platz für solche „Problemchen“ gibt und die Periode mit allem, was dazu gehört, weiterhin als Tabuthema gilt. Das muss sich ändern. 

Ich habe mich diese Woche in der Arbeit gequält. Mir war übel, ich hatte Schüttelfrost und meine Bauch krampfte so sehr, dass ich nicht mehr aufrecht sitzen konnte. Warum ich nicht daheim geblieben bin? Weil ich nicht krank war, sondern einfach nur meine Periode bekommen hatte – und es verdammt unangenehm fand, in der Arbeit anzurufen und zu sagen, dass ich wegen meiner Regelschmerzen nicht arbeiten könne. 

Peinlicher Regelschmerz: Wo liegt hier der Fehler?

Bis ich mir an diesem Tag die Frage stellte: Warum ist mir das eigentlich unangenehm? Es ist verdammt nochmal ein rein biologischer Prozess, der die Hälfte der Menschheit betrifft und NICHTS, wofür man sich schämen müsste. 

Dennoch gilt der weibliche Zyklus mit all seinen Folgen in unserer Gesellschaft immer noch als Tabuthema. Und wir Frauen helfen dabei kräftig mit. Oder war es Euch noch nie unangenehm, wenn Euch ein Tampon aus der Handtasche gekullert ist? Habt Ihr noch nie gezögert, in der Wohnung einer männlichen Bekanntschaft Euer o.B. zu wechseln? Sprecht Ihr mit Eurem Arbeitgeber offen über Eure Regelbeschwerden?

Über die Hälfte aller Frauen leidet Schmerzen

57 Prozent aller Frauen werden von ihren Regelschmerzen bei der Arbeit beeinträchtigt.
57 Prozent aller Frauen werden von ihren Regelschmerzen bei der Arbeit beeinträchtigt.

Nein, wir tun es nicht. Denn unsere Gesellschaft betrachtet Regelschmerzen lediglich als Unannehmlichkeit. Die Wirklichkeit sieht aber ganz anders aus: Viele Frauen haben solche Schmerzen, dass sie eigentlich kaum zu irgendetwas anderem in der Lage wären, als mit der Wärmflasche im Bett zu liegen. 

Das Meinungsforschungsinstitut YouGov hat hierzu eine Studie veröffentlicht: Demnach leiden 57 Prozent aller Frauen unter so starken Regelschmerzen, dass ihre Arbeit davon beeinträchtigt wird. Jedoch nur 27 Prozent sagen ihrem Arbeitgeber, dass ihre Beeinträchtigung mit ihrer Periode zusammenhängt.  

Menstruationsfrei: Gesellschaft muss umdenken

Einige asiatische Ländern scheinen hier auf den ersten Blick weiter zu sein: In Japan, Südkorea, Indonesien und Taiwan stehen Frauen in Unternehmen menstruationsfreie Tage zu. Allerdings nutzen das nur die wenigsten von ihnen. Denn sie befürchten, dass ihnen dies in der männlich dominierten Arbeitswelt schnell als Schwäche ausgelegt werden könnte.  

Das zeigt, dass ein Gesetz hierfür allein nicht hilft. Es braucht eine Bewusstseinsänderung – für unsere Unternehmenskulturen und unsere gesamte Gesellschaft: Wir Frauen sollten uns nicht für unsere Biologie entschuldigen müssen. Ja, manche von uns werden von ihrer Periode einen oder mehrere Tage ausgeknockt, weil es eben verdammt schmerzt. Und ja, viele von uns bekommen Kinder und müssen deswegen einige Zeit daheim bleiben. Aber genau dieser unangenehme, anstrengende, schmerzhafte, spannende, erregende, wunderbare Zyklus schafft künftige Generationen und sichert den Fortbestand der Menschheit. Das sollten wir nie vergessen und ab jetzt für unser Recht auf eine öffentliche Wahrnehmung unseres Zyklus kämpfen.  

4 Gedanken zu &8222;Menstruationsfrei: Frauen mit Regelschmerzen sollten nicht arbeiten müssen&8220;

  1. Was hat das denn mit männlich dominierte Arbeitswelt zu tun? Es wäre schlicht eine Verteuerung weiblicher Arbeit.
    Da rechnen weibliche Chefs nicht anders.

    Und natürlich könnten Frauen auch krank melden. Aber sie wissen ebenso um diesen Effekt.

    Frauen nennen ja schon so mehr krankheitsbedingte Fehltage.

    1. Nicht unbedingt – es gibt auch Modelle, bei denen die freien Tage nicht vom Unternehmen, sondern vom Staat bezahlt werden. So würde sich die Arbeit der Frauen auch nicht verteuern. Kommt also ganz darauf an, wie das der Gesetzgeber gestaltet.

      1. 1. Also wenn ich eine Freundin anstelle, die dann angibt unter beständigen Schmerzen zu leiden, dann zahlt der Staat (nahezu) komplett den Lohn, einschließlich aller sonstiger Lohnnebenkosten oder wie soll das laufen? Das wäre ja besser als sonst krank sein, da gibt es nur die Lohnfortzahlung. Dann würde jeder Arbeitgeber verlangen, dass man nicht krank ist, sondern Mentstruationsbeschwerden hat.

        2. Natürlich müsste man immer noch einen Ersatz organisieren und in vielen höheren Berufen bedeutet kurzzeitig nicht zur Arbeit erscheinen, dass die Arbeit liegen bleibt und man dann Überstunden macht um den Berg abzuarbeiten, weil es sich nicht lohnt, wenn sich jemand in das Projekt einarbeitet.

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